Im Herbst 1989 überschlugen sich die politischen Ereignisse in der DDR. Zum 40. Republikgeburtstag am 7. Oktober wurden Demonstranten in Berlin niedergeknüppelt, am 9. Oktober wurden in Leipzig nicht wie geplant und befürchtet bereitstehende bewaffnete Soldaten gegen 70.000 Demonstranten eingesetzt, am 4. November fand eine Großdemonstration mit 500.000 Teilnehmern in Berlin statt, am 9. November 1989 besuchten meine Frau und ich eine politische Veranstaltung in unserem Fredersdorfer Kino. Jemand hatte an einem Trafohaus geschrieben: „ Die DDR - ein einziger Knast.“ Meine Frau fragte Vertreter der Gemeinde, warum denn ein wahrer Satz so schnell übermalt wurde und was es kostete? Danach hatte ich noch eine Elternversammlung in der Schule und meine Frau besuchte eine Veranstaltung in der Kirche zum Gedenken an die Reichspogromnacht 1938. Als wir uns zu Hause trafen, wollten wir die Tagesschau sehen. Diese wurde jedoch ständig verschoben, weil etwas in der Luft läge. Es gab jeden Tag umwälzende Entwicklungen und wir waren sehr müde und gingen schlafen. Erst am nächsten Morgen erfuhr ich durch das Radio davon.
In der DDR gab es auch jeden Samstag Unterricht. Am 11. November unterrichtete ich nur wenige Schüler. Die meisten waren mit ihren Eltern in Westberlin.
Zuerst waren nur wenige Grenzübergangsstellen geöffnet und es gab auch noch Kontrollen.
Ich erinnere mich an das Kribbeln im Bauch, an das Freiheitsgefühl, jedes mal beim Grenzübertritt von Ost- nach Westberlin.
Diese körperliche Reaktion hatte ich noch Jahre später, als es die Grenze längst nicht mehr gab. Nur wenn ich die ehemalige deutsch-deutsche Grenze überfahre, denke ich zurück. Die Freude über den Mauerfall ist geblieben.
Bernhard Sept
Vorsitzender Ortsverein Fredersdorf-Vogelsdorf
