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Musik Ost und West: Schlager zur Wende

Kultur


Foto: universal-music.de/konzert-fuer-berlin

Der einstige Baywatch-Beau und Bademeister David Hasselhoff glaubt bis heute fest daran, mit seinem „Looking For Freedom“ die Mauerhymne geträllert zu haben. Das Bruce Springsteen-Konzert im damals noch „geschützten“ Ostteil Berlins am 19. Juli 1988 sollte so etwas wie ein Dampfdruckventil für den langsam hochkochenden Unmut der sozialistischen Untertanen auf dem Boden des ersten Arbeiter- und Bauernstaates sein. Der Druck blieb und schließlich gingen Millionen DDR-Bürger auf die Straße und kippten das überkommene Regime. Wie sah es überhaupt musikalisch in der Auseinandersetzung zwischen Ost und West aus? Aus der Sicht von Schlagerkonsumenten berichten Pitt Ruppert und Hajo Guhl.

Das erste echte „gesamtdeutsche“ Rock-Konzert für Berlin fand am Sonntag, dem 12. November 1989 – drei Tage nach dem Fall der Mauer – statt. Der phantastische Auftritt dauerte elf Stunden. Begeisterung kennt eben keine Grenzen. Zirka 50.000 Besucher kamen in die West-Berliner Deutschlandhalle. Die „üblichen Verdächtigen“ wie Udo Lindenberg, Nina Hagen, Silly, BAP, Joe Cocker, H.R.Kunze, Konstantin Wecker wollten Jugendlichen aus Ost-Berlin und der DDR begrüßen (Das Konzert gibts noch zum Streamen, Downloaden oder kaufen, siehe Bild oben).

Es war der ewig nuschelnd nörgelnde Udo Lindenberg, der mit dem grandiosen „Sonderzug nach Pankow“ seit Mitte der Achtziger Jahre für Aufruhr in der deutsch-deutschen Musikszene sorgte. Mit Billigung vom Politbüro durften in dieser Zeit westdeutsche Schlagerfuzzis meist vor ausgesuchtem Publikum ihr Liedgut in der DDR zum Besten geben. „Nur der kleine Udo eben nicht!“ Udo wuchs mit dem Sonderzug zum alten Rocker Honni zur Ikone heran.

Der Ost-Export von DDR-Schlager florierte übrigens. Gegen Devisen – also Westgeld -, das die staatlich gelenkte Planwirtschaft unbedingt zum Überleben brauchte. Hier sollten wir kurz der 7 Brücken gedenken, über die im Osten Karat (ab 1978) und ab 1980 im Westen Peter Maffay gingen. Ab 1990 sangen sie „Über sieben Brücken musst Du gehen“ auch gemeinsam. Es erzählt übrigens von einer unglücklichen Beziehung zwischen einem Polen und einer Deutschen.

Unbestrittenes Wendelied ist jedoch Wind of Change. Scorpions-Chef Klaus Meine schrieb die Hymne im September 1989. Es erschien 1990 auf dem Album Crazy World. 2005 wurde es zum Jahrhundert-Hit gekürt. Allerdings: Es geht nicht um die Mauer, sondern um Perestroika und Glasnost. Vor ihrem Konzert in Moskau vor wenigen Tagen im November 2019 besuchten die Scorpions den Urheber von Transparenz und Umstrukturierung, Michael Gorbatschow (88). Die Hard-Rock-Musiker und der Mann, der das Tor des Eisernes Vorhang aufstieß, sind Freunde.

Die Stimmung auf den ersten Moskauer Konzerten der Scorpions Mitte der 80er verarbeitete Klaus Meine mit seinem Wind of Change. Er schrieb es im September 1989 und erschien 1990 auf dem Album Crazy World und 1991 schließlich als Single. Das bis heute erfolgreichste Lied der Band wurde im Laufe der Zeit zum weltweiten Soundtrack vom Fall der Berliner Mauer im November 1989 und dem Untergang der Sowjetunion. Der Kalte Krieg seit 1945 war beendet.

Das Lied wurde von den Scorpions später auch in einer russischen und spanischen Version aufgenommen. In der ZDF-Sendung Unsere Besten wurde Wind of Change im Jahr 2005 zum Deutschen Jahrhunderthit gewählt.

Besonders eindruckvoll fing der britische Sänger Sting das Gefühl von Wende mit seinem Song Russians ein: "Believe me whenn I say too you Ihope the russians love their children too". Der todernste Hintergrund der poetischen Zeilen: US-Präsident Ronald Reagan wollte die Russen mit einem mördernischen Wettrüsten in die Knie zwingen und bezeichnete die Sowjetunion als Amageddon. Wenn auch versehentlich bei einer Sprechprobe an einem Mikrophon.

So wie Wind of Change von den Scorpions zum „Mauerlied“ aufstieg, so wurde teilweise auch „The Wall“ von Pink Floyd fremdbesetzt. The Wall handelt von britischen Schülern und der Psyche von Roger Waters: „Teacher, leave us Kids alone!“ An der ehemaligen Berliner Mauer, auf dem Potsdamer Platz führte im Juli 1990 der Komponist und Pink-Floyd-Bandleader das legendäre Doppelalbum „The Wall" aus dem Jahr 1979 in voller Länge auf - ein Stück Konzertgeschichte mit zahlreichen Gaststars wie Bon Jovi, Scorpions, Bryan Adams, Sinéad O'Connor, Cyndi Lauper, Garth Hudson, Thomas Dolby, Joni Mitchell, Marianne Faithfull, Levon Helm, Rick Danko, Garth Hudson und Van Morrison.

Heute ein wenig in den Hintergrund geraten ist Freiheit von Marius Müller Westernhagen (MMW). Das Stück erschien nur wenige Wochen vor der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 und gilt ebenfalls als "Hymne" derselben. Das Lied blieb 23 Wochen in den deutschen Charts.

Zu den Gewinnern der Wende gehören eindeutig Die Prinzen. Die aus Leipzig stammende Musikgruppe besteht aus Chorknaben, also ehemaligen Sängern des Thomaner Knabenchors. Mit fast sechs Millionen verkauften Tonträgern gehören sie zu den erfolgreichsten deutschen Bands. Ihre bekanntesten Hits sind unter anderem Millionär (1991), Mann im Mond (1991), Küssen verboten (1992), Alles nur geklaut (1993), Du musst ein Schwein sein (1995) und Deutschland (2001).

Es gehört zur Tragik der Geschichte, das etliche Musiker aus der DDR nach der Wende in der Versenkung verschwanden. So wie eine zeitlang Limo, Schrippen, Süßes, Yoghurt, Wurst aus dem West kommen mussten, egal wie das Zeug schmeckte und taugte, war West-Musik angesagt!

Auch wenn diese, höflich formuliert, dämlich war. Das Geträller war angesagt. Zehn Jahre vor der Wende also 1979 jubilierten und stampften Dschinghis Khan ihr Moskau. Kompositionen und Texte „Made in GDR“ waren dagegen intellektuelle Höchstleistungen. Das ist aber eine eigene Geschichte.

Ein Treppenwitz der Geschichte: Partei und Zensur forderten zu Texten, die zwischen den Zeilen zu lesen waren, geradezu heraus zum Einsatz des Hirns. Im Westen langten, mit Verlaub gesagt Frisur und bunte Klamotten.

Schauen Sie auf eine Liste mit Schlagern und Hits, die (auch näherungsweise) zum Thema Mauer und Wende passen. Zusammengestellt aus dem Musik-Box-Fundus von Pitt Ruppert, der tatsächlich über 5000 Singles sein eigen nennt!

 

Name/Band Lied Album/Quelle/Ausführung Jahr
Adventures, The Your Greatest Shade Of Blue Put Me Together Again 1990
BAP Verdamp Lang Her Waschsalon 1981
Beatles, The Something Come Together 1969
Bee Gees Spirits (Having Flown) Wind Of Change 1980
BELINDA CARLISLE Heaven Is A Place On Earth We Can Change 1987
Cats, The Let's Go Together Linda 1973
Chicago If You Leave Me Now Together Again 1976
Chris De Burgh The Lady In Red Borderline 1986
Christian Anders Die Mauer The Wall 1986
Cream Sunshine Of Your Love I Feel Free 1980
David Hasselhoff  Looking For Freedom  1989
Elton John NIKITA THE MAN WHO NEVER DIED 1985
Flemming Wenn Dich Freunde Erwarten Instrumental 1989
Fortunes, The Freedom Come, Freedom Go There's A Man 1971
Freddy Breck Überall Auf Der Welt Ohne Grenzen 1972
John Fogerty Rockin' All Over The World The Wall 1975
KARAT (DDR) Über sieben Brücken Blues 1979
Lucas Trio (4) Wir Seh'n Uns Wieder In Berlin /
Eine Tüte Luft Aus Berlin
Besuch Mich Doch Mal Am Abend / Herr Ton Und Frau Tönchen 1952
Mac & Katie Kissoon I've Found My Freedom Pidgeon 1972
Marbles The Walls Fell Down Love You 1969
Marc Seaberg Looking For Freedom Shorty 1978
Marius Müller Westernhag Freiheit (Live) Es Geht Weiter (Live) 1990
Medicine Head One and One Is One Out On The Street 1973
Mike Batt  The Winds Of Change  Echo Foxtrott 1980
Nina & Mike Das Lied Der Liebe Ketten, Mauern Und Stacheldraht 1975
Ocean  Put Your Hand In The Hand  Tear Down The Fences 1971
Oktopus I'm So In Love With You Livin' This Side Of Freedom 1974
Pink Floyd Another Brick In The Wall Teil 2 One Of My Turn 1979
Pop Tops Mamy Blue  Road To Freedom 1971
Prinzen, Die Millionär Millionär (A-Capella-Version) 1991
Puhdys He, John Was Vom Leben Bleibt 1981
Puhdys Wilde Jahre Die Sterne Verspäten Sich Nicht 1977
Queen I Want To Break Free Machines ("Back To Humans") 1984
Rockhaus (4) Träume, Träume / Gefühle Bleib Cool / Ohne Dich 1988
ROLLING STONES Get Off Of My Cloud I'm Free 1965
SANDRA WE'LL BE TOGETHER IT MEANS FOR EVER (INSTR) 1989
Scorpions Wind Of Change Restless Nights 1991
Spreetaler Musikanten Hasenstall-Song Berliner Schwoof Im Hinterhof 1986
Stern Combo Meißen Also was soll aus mir werden Die Erde schweigt 1963
Sting Russians The Dream of the Blue Turtles 1985
UDO LINDENBERG Hinterm Horizont Geht's Weiter Sternenreise 1987
UDO LINDENBERG Sonderzug Nach Pankow  Sternentaler 1983
URIAH HEEP Free Me Masquerade 1977
Wham! George Michael Freedom  dito Instrumental 1984
Who, The Join Together (Tommy) Baby Don't Do It 1972
 
 

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Zur Ortshistorie: Adolph Hoffmann

Adolph Hoffmann (1858 – 1930) wohnte mehrere Jahrzehnte bei uns in Vogelsdorf. Er wuchs als Vollwaise in bitterer Armut auf. Aber er wurde gleichwohl 1918 preußischer Minister für Volksschulwesen, Kirchenfragen und Theaterangelegenheiten. Dabei setzte er sich vor allem für die Interessen der kleinen Leute ein, die einen gesellschaftlichen Erfolg genausowenig in die Wiege gelegt bekamen wie er selbst. Wodurch hat er diesen beeindruckenden Aufstieg geschafft?

  • Ich füge in der Anlage zum einen ein Papier bei, das ich 2009 anlässlich eines Referats zu Hoffmanns Wirken verteilt habe.
  • Den, der mehr über A. Hoffmann wissen möchte, verweise ich auf das als zweite Anlage beigefügte Exposé unseres Buches über ihn mit ISBN-Nummer. Dieses Buch erschien im Eigenverlag. Eventuelle Gewinne aus dem Buchverkauf spenden wir als Herausgeber im Sinne A. Hoffmanns für die Jugendarbeit.

Volker Heiermann

dl/Referat_A_Hoffmann,_Handout_Jun09.,_2012pdf.pdf

dl/2018_-_06,_Expose.pdf

 

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